Dipl.-Ing. Peter Fette; Am Schäferloch 16; D-75045 Walzbachtal /Germany
Kapitel 14
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Im folgenden soll die Bewegungsgleichung für die komplette Maschine nach Abb.1 aufgestellt werden. Die bisher gebrauchten Bezeichnungen werden übernommen und Endziffern -von 1 bis 4- angehängt, um die jeweiligen Größen den Teilmaschinen zuordnen zu können. Die Indizes "I" bzw "II" deuten auf Größen in bezug auf die 1. bzw. 2. Kolbenstange hin. Reibungsverluste bei der Schwingungsbewegung der Arbeitsflüssigkeit werden mit berücksichtigt. Die Massen von Kolbenstange, Kolben und Arbeitsflüssigkeit sollen vereinfachend in der Flüssigkeitsmasse des jeweiligen "U-Rohres" zusammengefaßt sein.
Es bedeuten:
MH : Masse in Gramm der Arbeitsflüssigkeit links und rechts vom Kolben in der U-Rohr Anordnung der "heißen" Zylinder.
MHI ist dann die Arbeitsflüssigkeitsmasse für die Zylinder H1-H2 an der 1. Kolbenstange, die auf den Kurbeltrieb "KU1" wirkt und
MHII ist die Flüssigkeitsmasse für die Zylinder H3-H4 an der 2. Kolbenstange, die auf den Kurbeltrieb "KU2" wirkt.
MK : Masse in Gramm der Arbeitsflüssigkeit links und rechts vom Kolben in der U-Rohr Anordnung der "kalten" Zylinder.
MKI ist dann die Arbeitsflüssigkeitsmasse für die Zylinder K4-K3 an der 1. Kolbenstange, die auf den Kurbeltrieb "KU1" wirkt und
MKII ist die Flüssigkeitsmasse für die Zylinder K1-K2 an der 2. Kolbenstange, die auf den Kurbeltrieb "KU2" wirkt.
WEGI = R * (1 - cos(ω * t)) ist der Weg in cm des Kolbens der 1. Kolbenstange für einen Kurbeltrieb mit Kurbelschleife (siehe auch Gl.(2.6a); für einen Pleuelstangen Kurbeltrieb ist WEGI entsprechend Gl.(2.6b) zu berechnen)
WEGII = R * (1 - cos(ω * t - δ )) ist der Weg in cm des Kolbens der 2. Kolbenstange (siehe auch Gl.(2.7a); für einen Pleuelstangen Kurbeltrieb ist WEGII entsprechend Gl.(2.7b) zu berechnen)
Um das Kolbenstangen Volumen berücksichtigen zu können, das in den Zylindern VE2 und VE4, sowie in VC1 und VC4 das Hubvolumen reduziert, werden folgende Querschnitte in den Flüssigkeitsräumen definiert:
Die Gasräume in den einzelnen Zylindern sollen sich aus einem Totvolumenanteil mit der Höhe "H00E" und dem Regelvolumenanteil "RVE" mit der Höhe "HRVE" in den Expansionszylindern, bzw. dem Totvolumenanteil mit der Höhe "H00C", dem Regelvolumenanteil "RVC" mit der Höhe "HRVC" in den Kompressionszylindern zusammensetzen. Mit der momentanen Kolbenstellung WEGI bzw. WEGII ergeben sich die Höhen -in cm- der einzelnen Gasräume und deren Differentiale zu:
Mit diesen Gasraumhöhen ergeben sich die einzelnen Volumina -in cm3- und deren Differentiale:
VE1 = FQE*HE1, d_VE1 = FQE*d_HE1; VC1 = FQC*HC1, d_VC1 = FQC*d_HC1
VE2 = FQE*HE2, d_VE2 = FQE*d_HE2; VC2 = FQC*HC2, d_VC2 = FQC*d_HC2
VE3 = FQE*HE3, d_VE3 = FQE*d_HE3; VC3 = FQC*HC3, d_VC3 = FQC*d_HC3
VE4 = FQE*HE4, d_VE4 = FQE*d_HE4; VC4 = FQC*HC4, d_VC4 = FQC*d_HC4
Die Druckunterschiede links und rechts der 4 Kolben bewirken die Bewegung der Kurbeltriebe. Dabei müssen die Flüssigkeitsmassen ( MHI , MKI , MHII und MKII ) sowie die Kolbenstangen und die Kolben selbst beschleunigt werden. Das Differential der Beschleunigungsarbeit z.B. der Masse MHI inklusive der Kolbenmasse und anteiliger Kolbenstangenmasse ist:
MHI * UI * d_U I
Die unterschiedlichen Höhen der Flüssigkeitssäulen bewirken Auf- und Abbau von potentieller Energie; z.B. bei den Säulen VE1 und VE2 ist das Differential der potentiellen Energie:
g * ρ W * (VE1 * d_HE1 + VE2 * d_HE2)
Reibungskräfte an den Kolben- und Kolbenstangendichtungen, sowie Reibungskräfte in der Flüssigkeitsströmung wirken der Bewegung entgegen. Reibungsverluste in der Gasströmung durch den Regenerator bewirken einen Druckverlust, so daß man im Prinzip nicht von einem vollkommenen Druckausgleich in den Zylindern und Regenerator jeder Teilmaschine ausgehen kann. Bei kleinen Drehzahlen n < 300 U/Min sind die Druckverluste in der Gasströmung jedoch zu vernachlässigen und man wird bei der Berechnung dieser Maschine keine großen Fehler machen, wenn man von der Annahme eines vollkommenen Druckausgleichs ausgeht.
Die Reibungskraft "FSEAL" von je 2 Kolben und Kolbenstangendichtungen sei als konstant angenommen, da der Anpreßdruck der Dichtungen gegen die Zylinderwand bzw. gegen die Kolbenstange konstant ist. Der zu berücksichtigende Reibungskoeffizient wird -nach Start der Maschine von der Haftreibung in einen Mischreibungszustand- nur experimentell zu ermitteln sein. Das Differential der Arbeit dieser Reibungskräfte, die immer positiv anzusetzen sind, gehe für beide Kolbenstangen separiert in die Berechnung ein:
FSEAL * | d_WEG I | + FSEAL * | d_WEG II |
Um die Flüssigkeitsreibung mit einzubeziehen sei folgender Ansatz gemacht: Die Drehzahl der Maschine ist nur unwesentlich höher als die Eigenfrequenz der schwingenden Flüssigkeitssäulen in den U - Rohren, wenn man einmal den Kolben als reibungsfrei in der Flüssigkeit mitschwingend betrachtet. Diese Eigenfrequenz ergibt sich -unabhängig vom Rohrdurchmesser- aus der gesamten Länge " lF " von Flüssigkeit + Kolben zu
(15.1)
Die Kreisfrequenz ω sub 0 ist dann:
(15.2)
f0 wird abgeleitet aus der Kräftebilanz an der frei schwingenden Flüssigkeitssäule. ("FQ" ist der Querschnitt dieser Flüssigkeitssäule. "X" ist die Schwingungsamplitude, "g" ist die Erdbeschleunigung)
(15.3) .
Daraus wird:
(15.4) .
Für diese Differentialgleichung gibt es die Lösung:(15.5)
Zur Bestimmung der Länge lF folgende Überlegung:
Bei der durch den Kurbeltrieb erzwungenen Schwingung beträgt die Schwingungsamplitude HEmin - HEmax = 2 * R ; R ist der Radius des Kurbeltriebs. Auch im unteren Totpunkt soll die Flüssigkeit noch oberhalb des U - Rohr Bogens bleiben; dann sollte auf jeder Seite des Kolbens mindestens eine Flüssigkeitssäule von der Länge 1/2 lF ≈ 3 * R sein. Bezieht man noch die Flüssigkeitsmenge mit ein, die bei Teillast abgezogen und bei Vollast wieder eingespeist wird, dann sei lF = 7 * R.
Die Flüssigkeitsreibung wirkt sich als Dämpfung einer freien Schwingung so aus, daß nach jeder Schwingung nur noch ein Bruchteil der vorigen Amplitude erreicht wird. Ein Teil der kinetischen Energie ist also in Reibungsarbeit umgesetzt worden. Die Verringerung der Amplitude kann gemessen werden: Faktor FX = X1 / X0 . X0 ist die 1. Amplitude bei Start der freien Schwingung; X1 ist die Amplitude nach der 1. Schwingung. Bezieht man die geschwindigkeitsabhängige Dämpfungskraft mit in die Schwingungsgleichung Gl.(15.3) ein, dann erhält man:
(15.6)
(15.7)
Mit FQ = Querschnitt, lF = Länge und ρW der Dichte ist M = FQ * lF * ρW die Masse der schwingenden Flüssigkeit. Z ist die Massengeschwindigkeit der Dämpfung. ist die Dämpfungskraft, die mittels des gemessenen Amplitudenfaktors FX = X1 / X0 berechnet werden soll: Aus Gl.(15.7) ergibt sich mit
(15.8)
und der Kreisfrequenz ω0 nach Gl.(15.2):
(15.9)
Lösung dieser Schwingungsgleichung mit Dämpfung ist:
(15.10)
mit der neuen Kreisfrequenz
(15.11)
nach ω t = 2 π sei die gemessene Amplitude X = X1. Damit ergibt sich aus Gl.(15.10) und Gl.(15.11) für β(15.12)
und die Massengeschwindigkeit Z errechnet sich über Gl.(15.8) und obiger Definition für β zu:
(15.13)
Die Dämpfungskraft aus GL.(15.6) wird mit der jetzt bekannten Massengeschwindigkeit Z -Gl.(15.13)- und mit den entsprechenden Flüssigkeitsmassen für jedes der 4 U-Rohre bestimmt. Die Geschwindigkeiten sind bzw. . Da die Vorzeichen sowohl der Geschwindigkeiten U und die der zugehörigen Wegdifferentiale d_WEG immer gleich gerichtet sind, ergibt sich die Reibungsarbeit dieser Dämpfungskräfte für die beiden U-Rohre auf jeder Kolbenstange -immer als positiver Wert- zu:
(15.14)
Wobei ZHI , ZKI , ZHII , ZKII gemäß Gl.(15.13) berechnet werden mit den jeweiligen Massen MHI , MKI , MHII , MKII in den einzelnen U-Rohren. Die Massen der Kolben und -anteilig- der Kolbenstangen sind, wie oben gesagt, in diesen Massen enthalten.
Nunmehr kann die dynamische Bewegungsgleichung für die ganze Maschine nach dem Energiesatz unter Berücksichtigung obiger Komponenten aufgestellt werden:
(15.15)
Setzt man in Gl.(15.15) die oben definierten Differentiale der Volumina und Gasraumhöhen ein, und setzt für d_U / d_t die Beschleunigung B, berücksichtigt ω = d_φ / d_t , und setzt für d_WEG / d_φ = U / ω dann kann man Gl.(15.15) nach d_ω / d_t auflösen und erhält: im - cm, Gramm, Sekunde, Bar - System (g=981 cm/sec):
(15.16)
Integriert man Gl.(15.16) ∫ (d_ω/d_t) * d_t , dann erhält man die Winkelgeschwindigkeit ω und damit die Drehzahl "RPM" der Maschine.
Die einzelnen Elemente in den [ ] der Gl.(15.16) sind Kräfte. Der jeweils 1. Ausdruck in den beiden [ ] ist die Kolbenstangenkraft "SCHUB1" bzw "SCHUB2"; siehe Gl.(3.6) und Gl.(3.7). Alle anderen Kräfte in Gl.(15.16) werden als Verlustkräfte zusammengefaßt: VALLI im Bereich der Kolbenstange 1 und VALLII im Bereich der Kolbenstange 2. Die resultierenden Nutzkräfte auf den Kurbeltrieb sind dann aus Gl.(15.16) definiert zu:
(15.17) FRESI = SCHUB1 - VALLI bzw.
(15.18) FRESII = SCHUB2 - VALLII.
Es läßt sich graphisch sehr anschaulich zeigen, wie mit steigender Drehzahl die Verluste zunehmen, wie die Nutzleistungskurve ein Maximum hat und die Drehzahlkurve später dann flacher wird, Abb.10. In diesem Diagramm wurde eine Maschine gerechnet mit einem Ausgangsdruck von P0 = 1 Bar. f0 =0.84 Hertz. Andererseits -Abb.11- kann gezeigt werden, daß die Verluste klein sind, wenn bei höherem Ausgangsdruck -P0 ist hier 5 Bar- die Drehfrequenz w = RPM * 2 p / 60 der Maschine noch in der selben Größenordnung liegt wie die Eigenfrequenz f0 = w0 / 2 p der frei schwingenden Flüssigkeitssäule. Auch bei der Rechnung für Abb.11 ist f0 = 0.84 Hertz. In diesen beiden Abb. sind über die Zeit aufgetragen: Alle Verlustkräfte "VALLI" im Bereich der Kolbenstange 1, sowie die Drehzahl "RPM" und die Nutzleistung "POWERN" der ganzen Maschine. Die Nutzleistung "POWERN" ist jeweils während einer Umdrehung gemittelt, indem die während 1 Umdrehung verrichtete Nutzarbeit durch die Umdrehungszeit dividiert wird. So kann an der Länge der Horizontalen für "POWERN" auch gleich die Umdrehungszeit abgelesen werden, da die Abszisse die Zeit darstellt. Das Differential der Nutzarbeit aller Kolbenkräfte ist die momentane Nutzleistung. Diese errechnet sich aus den oben definierten Größen zu:
(15.19) d_AKolN = ( FRESI * UI + FRESII * UII )
Beispiel: Die für die 2. Umdrehung gemittelte Nutzleistung errechnet sich zu:(15.20)
wobei Time2 - Time1 die Zeit für die 2. Umdrehung ist.
Man vergleiche die Drehzahl- und Nutzleistungs Kurven in den Abb.10 und Abb.11. In der Rechnung beider Diagramme wird zugrunde gelegt, daß keine Last abgenommen wird, so daß die ganze Nutzarbeit der Maschine in Rotationsenergie des Schwungrades umgesetzt wird. Man erkennt, daß die optimale Nutzleistung in einem Drehzahlbereich dicht bei der Drehzahl liegt, die der Eigenfrequenz der frei schwingenden Flüssigkeitssäulen entspricht. Dieses wird noch eimal deutlich bei der Gegenüberstellung der Drehmomentkurven mit und ohne Berücksichtigung der Reibungsverluste. So zeigt Abb.13 DREHMO die Drehmomentkurve ohne- , DRNUTZ die Drehmomentkurve mit Berücksichtigung der Reibungsverluste, POWERN ist wieder die mittlere Leistung, bezogen auf die jeweilige Umdrehung. RPM ist wieder die Drehzahlkurve.
Errechnet wurden die meisten Diagramme mit den folgenden allgemeinen Maschinendaten. Sie können auch mit der Demo Version des Programms STMOT2 nachgerechnet werden:
Kolbendurchmesser in den H- und K-Zylindern = 10 cm sowie Kurbelradius R = 5 cm;
Kolbenstangendurchmesser = 2 cm;
Volumen in jedem Regenerator VR = 0.15 Liter;
Ausgangsdruck P0 = 5 bar oder 1 bar; Ausgangstemperatur T0 = 300 Kelvin;
Heiße Temperatur TE = 400 , kalte Temperatur TC = 300 Kelvin; Arbeitsgas: Luft, Arbeitsflüssigkeit: Wasser.
Alle Stoffwerte für Wasserdampf aus
U. Grigull: NRB/NRBS Wasserdampf Tafeln. Springer 1988
Ps Sättigungsdruck in Bar
ρ Dichte in Gramm/Liter
H Verdampfungswärme in Watt * sec/ Gramm
S" Entropie des Dampfes in Watt * sec/(Gramm * Grd)
S' Entropie des Wassers in Watt * sec/(Gramm * Grd)